
Das Niedermoor nordwestlich der Ortslage Schweikvitz auf Rügen wurde in den 1950er Jahren trockengelegt und seitdem als Acker- und Intensivgrünland genutzt. Nun wird es seiner ursprünglichen Funktion zurückgegeben: als Kohlenstoffspeicher, Biodiversitätsraum und natürlicher Wasserspeicher.
Mit der Plangenehmigung vom 30. März 2026 hat der Landkreis Vorpommern-Rügen – Untere Wasserbehörde – die notwendige wasserrechtliche Genehmigung nach § 68 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) erteilt. Damit ist der Weg frei für die Umsetzung der Maßnahmen, die die Wiedervernässung des Moores, den Rückbau und die Ertüchtigung bestehender Grabensysteme sowie die dauerhafte Extensivierung der Flächen umfassen.
Die Genehmigung bezieht sich auf das Projekt „Ökokonto Moorlandschaft Schweikvitz I" der Ecosquare GmbH (vormals BIOCEN ECOSYSTEMS GmbH). Sie wurde mit sofortiger Vollziehung versehen – ein klares Signal der Behörde, dass Moorrenaturierungen im öffentlichen Interesse liegen. Die Bundesregierung hat dazu die Nationale Moorschutzstrategie am 09.11.2022 beschlossen.
Der Kern des Vorhabens ist die Wiedervernässung durch gezielte Staumaßnahmen. Der Wasserstand in den Gräben wird auf ein Einstauziel von 0,85 m NHN angehoben. Das entspricht einer Anhebung, die das Moor dauerhaft vernässt und die Torfzersetzung stoppt.
Das Projekt Schweikvitz I ist so konzipiert, dass es gleichzeitig für zwei verschiedene Ausgleichsinstrumente aber auf verschiedenen Flächen qualifiziert:
Mit rund 2,4 Millionen Ökopunkten stellt das Vorhaben eine der größten Ökokontomaßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern dar. Auf 53 der insg. 81 ha wurde dieses Ökokonto umgesetzt. Es ist Teil des ersten von der zuständigen Behörde anerkannten Flächenpools in M-V und damit für Vorhabensträger nutzbar, die naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nach §§ 13 ff. BNatSchG nachweisen müssen. Die Ökopunkte sind ab 2026 verfügbar; Reservierungen werden bereits entgegengenommen.
Das Maßnahmenblatt zeigt die Maßnahmen und die Abgrenzung der Flächen.
Innerhalb des Projektgebiets befindet sich eine nach dem MoorFutures®-Standard zertifizierte 28 ha große Fläche. Durch die dauerhafte Wiedervernässung werden über 50 Jahre hinweg rund 20.000 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart, da trockengelegte Moore als bedeutende Treibhausgas-Emittenten bekannt sind. Diese eingesparten Emissionen können als MoorFutures®-Zertifikat erworben werden – einem von den Vereinten Nationen ausgezeichneten Standard für hochwertige Moor-Klimazertifikate.
„Moorrenaturierungen spielen eine entscheidende Rolle im Klimaschutz, indem sie CO₂ binden und den Wasserkreislauf unterstützen." – Begründung zur sofortigen Vollziehung, Landkreis Vorpommern-Rügen, 30. März 2026
Bedeutung für den Naturschutz
Das Vorhabengebiet liegt in der Landschaftszone „Ostseeküstenland" und teilweise im „Vorpommerschen Flachland" – einem Gebiet mit historisch hohem Mooranteil. Die Torfschicht erreicht stellenweise über 50 cm Mächtigkeit und birgt damit ein erhebliches Potenzial zur Wasserspeicherung und Kohlenstoffbindung.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie private Naturschutzplanung, Behörden und der Markt für Ökosystemleistungen zusammenwirken können: Die Plangenehmigung nach § 68 WHG schafft die rechtliche Grundlage, die Ökokontoanerkennung ermöglicht die wirtschaftliche Refinanzierung, und die MoorFutures®-Zertifizierung erschließt einen zusätzlichen Klimamarkt – alles im Dienst eines einzigen ökologischen Ziels.
